Cryptovoxels und weitere: VR-Welten, die aus NFTs bestehen

Cryptovoxels und weitere: VR-Welten, die aus NFTs bestehen

Die Blockchain-Technologie ermöglicht viele neue wirtschaftliche Ansätze. Ganz oben steht bei den meisten wohl einfach die krasse Kurssteigerung, die manche Cryptowährungen seit Jahren an den Tag legen. Andere schätzen die Technologie dahinter, Werte weltweit ohne Dritte übermitteln zu können. Und wieder andere erfreuen sich daran, Sammlungen auf der Blockchain zu erstellen. Kunst, Domains, selbst Verträge lassen sich einfach und sicher als Token erstellen und handeln. Diese NFTs (Non Fungible Token) können auch Zugang zu Welten ermöglichen, in denen einem der Besitz nicht genommen werden kann, selbst wenn so ein Anbieter sich einmal entscheidet, das Ganze nicht mehr zu unterstützen.

Virtuelle Welten – also 3D-Welten, die man begehen kann – haben sich ebenfalls schon auf der Blockchain breitgemacht. Die Ansätze sind dabei sehr unterschiedlich, dennoch haben fast alle eins gemeinsam: Man bekommt Bauland in so einer Welt nicht kostenlos gestellt, sondern muss dieses als NFT kaufen. Das ist preislich nicht unbedingt unter billig zu verbuchen, aber es sind auch großartige Möglichkeiten, die sich einem da auftun.

Galerie mit 360° NFT statt Gebäude in Somnium Space VR

Es gibt mehrere bekannte VR-Welten, die Land als Token verkaufen: Somnium Space VR, Decentraland, The Sandbox und Cryptovoxels gehören zu den bekanntesten Vertretern. The Sandbox nimmt dabei eine kleine Ausnahme ein, es ist mehr eine Gaming-Plattform, man kann auf den erworbenen Ländern also Games erstellen. Atari und andere sind da bereits dabei, für den normalen Nutzer ist hier aber eher die Nutzung als die Erstellung interessant.

Bei Decentraland, Somnium Space VR und Cryptovoxels ist es so, dass man relativ frei ist, was die Bebauung der Grundstücke angeht. Als Besucher mag ich alle drei, als Bauherr habe ich mich aber für Cryptovoxels entschieden, obwohl es mich grafisch am wenigsten anspricht. Das hat natürlich Gründe, die liegen vor allem darin, wie ich bauen und Besucher empfangen kann.

Ich bin schon eine Weile länger in den drei Welten unterwegs. Unüberlegte Entscheidungen sind nicht so meins und so dauerte es fast ein halbes Jahr bis ich mich für den Kauf eines Grundstücks in der Welt von Cryptovoxels entschieden hatte. Warum Cryptovoxels? Es hat mich nicht nur technisch überzeugt, sondern vor allem auch durch die Community, die stets hilfsbereit zur Seite steht. Ebenfalls ist der Weg zu den Entwicklern sehr kurz – es kam mehr als einmal vor, dass gemeldete Bugs innerhalb von Minuten gefixt waren. Und es lässt sich super einfach dort bauen, man benötigt weder einen speziellen Client noch einen allzu leistungsstarken PC, denn alles passiert im Browser.

Voxelgebäude in Cryptovoxels

Ob die Gestaltung von Gebäuden oder das Platzieren von NFTs, alles lässt sich in einem Desktop-Browser erledigen. Das Bauen erfolgt im Minecraft-Prinzip, man setzt einfach Blöcke, die man mit verschiedenen Farben oder auch Strukturen versehen kann. Das verleiht der Welt auch ihren typischen Anblick, alles sieht nach Blöcken aus. Man kann auch sogenannte Voxel-Modelle (ein Voxel ist ein dreidimensionales Pixel) importieren, sie erlauben eine feinere Gestaltung der Grundstücke.

Ebenso einfach lässt sich Cryptovoxels auch besuchen. Das geht auch mit mobilen Browsern, wenngleich die Performance und auch die Darstellung bislang eher als suboptimal zu bezeichnen ist. Aber es funktioniert und das bislang recht kleine Entwickler-Team ist fleißig mit Optimierung und neuen Features beschäftigt. Ich bezeichne Cryptovoxels immer gerne als frühe Alpha, auch wenn das die Entwickler sicher nicht so gerne sehen.

MoCA in Cryptovoxels

Neben dem simplen Blöcke aufeinander stapeln und Bilder an die Wand hängen, kann man in Cryptovoxels auch Scripts einsetzen, wenn man denn Ahnung davon hat. So habe ich letztes Jahr sehr fasziniert verfolgt, wie ein Nutzer innerhalb von ein paar Wochen ein spielbares Paintball hingezaubert hat. Freilich mit zahlreichen Einschränkungen, aber es zeigt deutlich wie frei man in so einer Welt gestalten kann.

Kleiner Zoo in Cryptovoxels, der mit Voxelmodellen erstellt wurde

Die VR-Unterstützung in Cryptovoxels ist vorhanden, aber bisher keineswegs empfehlenswert. Das mag in einer VR-Welt vielleicht etwas paradox klingen, aber auch hier ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Support verbessert wird. Hier treffen quasi die zwei sehr jungen Technologien VR und Blockchain aufeinander, die beide in sich noch in ihrer frühen Entwicklungsphase sind. Allerdings wurden auch beide durch Corona in ihrer Entwicklung beschleunigt. Für mich besteht kein Zweifel daran, dass VR irgendwann aus seiner Nische heraustritt, aber ich habe auch keinen Zweifel daran, dass dies noch einige Jahre dauern wird. Insofern ist genug Zeit für eine vernünftige Entwicklung solcher Projekte.

Nette Aussicht, die man von diesem Strandgrundstück in Cryptovoxels aus hat, oder?

Für Cryptovoxels sehe ich verschiedene Einsatzzwecke. Nicht heute oder morgen, aber auf Dauer. Live-Streaming von Konzerten an einer coolen Location. Direkt mit Merch-Store dran, damit man sein eigenes Avatar entsprechend aufpimpen kann. Zutritt natürlich nur mit Konzertkarte als NFT. Anfänge solcher Veranstaltungen sieht man heute bereits, aber technisch ist eben noch nicht alles möglich.

Oder wie wäre es mit einem Luxus-Shopping-Trip? VR-Headset auf, in die nächste Mall spaziert und los geht das dreidimensionale Erlebnisshopping. Kino-Abend mit Freunden? Vielleicht hat einer ein Strandhaus, in dem man sich zum Filmeabend treffen kann. Es ist wie so oft nicht die Frage, ob es so kommt, sondern wann es der Fall sein wird. Die Frage ist zudem, ob beispielsweise Facebook – heute ein Vorreiter in Sachen VR – noch dieselbe Attraktivität wie heute besitzt oder sich Nutzer nicht lieber ohne ungebetene Gäste in den eigenen virtuellen vier Wänden treffen.

Gebäude in Cryptovoxels mit aktivierter Beleuchtung

Ein Avatar-System hat Cryptovoxels auch. Man kann Wearables (ebenfalls im klotzigen Voxel-Design) kaufen und anziehen. Hier wird gerade der Wechsel auf die MATIC-Blockchain vollzogen, sodass sich auch der Kauf von günstigeren Wearables wieder lohnen kann. Auf der Ethereum-Blockchain sieht es aktuell so aus, dass man für ein 5-Dollar-Wearable locker 70 Dollar Gebühren bezahlen kann – das machen natürlich nur wenige. Mit Matic wird man dann für ein 5-Dollar-Wearable 5,01 Dollar zahlen, das ist schon ein riesiger Unterschied.

Cryptovoxels Editor zur Anpassung der Wearables an die Figur

Mir persönlich gefallen die Voxel-Wearables nicht allzu gut, aber das liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Meiner Meinung nach hat Decentraland die schöneren Avatare und Wearables. Das Gute ist jedoch, dass dies irgendwann einmal egal sein wird, dann marschiert man mit seinem personalisierten Avatar einfach von Welt zu Welt. Das kann noch ein paar Jahre dauern, aber schon jetzt arbeiten die verschiedenen Welten eher zusammen als gegeneinander. Mehr zu den Wearables bei Cryptovoxels ein andermal, wenn diese sich dann wieder ordentlich handeln lassen – was recht bald der Fall sein sollte.

Übersicht der Wearables in Cryptovoxels

Cryptovoxels kann man übrigens auch kostenlos nutzen. Dazu stehen die sogenannten Spaces zur Verfügung. Sie bieten die grundlegenden Funktionen, erscheinen aber zum Beispiel nicht auf der Weltkarte. Außerdem sind sie im Gegensatz zu anderen Grundstücken bei Cryptovoxels nicht Multiplayer fähig, jeder lädt quasi seine eigene Instanz eines Spaces, wenn er über einen Link aufgerufen wird. Aber zum Ausprobieren – oder wenn man nicht mehr benötigt – ist das natürlich großartig. Einfacher und günstiger kann man wohl nirgends eine 3D-Webseite erstellen. Aber wenn ihr ausprobiert, denkt bitte daran, dass nicht alles funktionieren wird und es auch öfter mal haken kann. Sehr frühe Phase eben. Zur Registrierung/Anmeldung müsst ihr euch nur mit eurer ETH-Wallet (in den meisten Fällen wohl MetaMask) auf der Seite verbinden. Kosten entstehen dabei keine.

Was ich persönlich sehr interessant finde, ist die teilweise doch sehr klassische Herangehensweise beim Bebauen der Grundstücke. Obwohl sich alles im digitalen Raum abspielt und es im Prinzip auch keine Schwerkraft gibt, wird bis auf ein paar wenige Ausnahmen alles mit 4 Wänden, einem Dach und Treppen gebaut. Ich vermute aber, dass dies auch nicht mehr lange der Fall sein wird, wenn man nicht gerade eine Stadt nachbauen möchte.

Ich lasse euch jetzt noch ein paar Links da, mit denen ihr direkt über den Browser in die verschiedenen Welten eintauchen könnt. Schaut euch einfach einmal um und hinterlasst gerne einen Komentar, welche der Welten ihr am ansprechendsten findet.

Cryptovoxels Startseite
Cryptovoxels Museum of Crypto Art
Cryptovoxels Tokyo Sky Station
Decentraland Startseite
Somnium Space VR Beispiel Parcel

One thought on “Cryptovoxels und weitere: VR-Welten, die aus NFTs bestehen

  1. Hey, ich liebe deinen Content. Hab nen kleinen Schreibfehler entdeckt: Beim Bild mit der Beschreibung „Gebäude in Cryptovoxels mit aktivierter Beleuchtung“, fehlt ein „d“.
    Weiter so!!

    Gruß

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