NFTs, geistiges Eigentum und CO2

NFTs, geistiges Eigentum und CO2

NFTs, die Non Fungible Tokens auf den Blockchains, ziehen aktuell weitere Kreise. Die einen feiern ihren Erfolg, der langsam auch außerhalb des Internets ankommt. Die anderen sehen NFTs als den Teufel in Person, der Urhebern das Leben noch schwerer macht, als es ohne NFTs schon ist. Und dann gibt es noch die dritte Gruppe, die sich gerne mit der zweiten überschneidet, und auf die schier katastrophalen Umweltaspekte von Blockchains verweist, Stichwort CO2-Ausstoß. Wie so oft wird da dann schnell viel durcheinander gewürfelt, aber wenig verstanden. Das ist schade, denn gerade Creators, die Probleme mit Copyright haben, sollten sich eher früher als später mit NFTs beschäftigen, einen einfacheren Nachweis eines „Erstwerks“ gibt es nämlich nicht.

Was man in den letzten Tagen vor allem via Twitter wahrnahm, ist ein Sturm von Künstlern gegen NFTs. Diebstahl geistigen Eigentums, Bereicherung am geistigen Eigentum Fremder – und überhaupt, habt ihr euch mal die Umweltbilanz von NFTs genauer angeschaut? Lasst uns das der Reihe nach aufschlüsseln, weil so einfach ist das nicht. Bleiben wir zunächst beim Diebstahl geistigen Eigentums, da wird nämlich schon viel verwechselt in der Twitter-Bubble.

Es geht im Grunde darum, dass sich Künstler bestohlen fühlen, wenn man ihre Tweets, die ihre Kunst enthalten, über Tokenized Tweets (ich berichtete bereits über den Dienst) sein eigen macht. Das ist kostenlos und kann aktuell auch nicht als Token gehandelt werden. Es ist ein Festhalten eines Tweets, nichts anderes als ein Screenshot mit einem belegbaren Zeitstempel (Blockchain!). Weder kann ein angehängtes Bild extrahiert werden, noch lassen sich solche Tweets aktuell verkaufen.

Woher kommt also die Mär, dass sich andere daran bereichern können? Vermutlich durch die News, ein Tweet von Twitter-Boss Jack himself mehrere Millionen Dollar an Einnahmen bringen könnte. Das Problem dabei: Das ist kein geklauter Tweet oder so, sondern ein völlig anderes System. Cent ermöglicht es, Gebote auf Tweets abzugeben. Niemand anderes als der Urheber kann dieses Gebot annehmen. Wird heute also „mit einem Tweet Geld gemacht“ geht dies an den Urheber, sonst an niemanden.

Auch Marble Cards geriet die Tage ins Visier der Anti-NFT-Fraktion. Marble Cards ermöglicht die Erstellung von Sammelkarten, die einer bestimmten Url zugeordnet sind. Diese Karten lassen sich günstig erstellen und auch handeln. Außerdem kann man mit ihnen ein Spiel zocken (habe mich damit nicht allzu viel beschäftigt). Nun ist die Argumentation, dass man einfach die Urls von anderen als Karte erstellt und damit Geld gemacht wird. Allerdings ist hier vielleicht eher der Wunsch der Vater des Gedanken, denn es lässt sich gar nicht jede Url zu einer Marble Card machen. Der Dienst ist auf wenige Domains beschränkt. Hier muss man also nicht befürchten, dass der eigene Kunst-Blog plötzlich mal hart durchgemarblet wird.

Das soll nicht heißen, dass es im NFT-Space keine Copyright-Probleme gibt. Die gibt es, aber bestimmt nicht beim Screenshotten von Tweets oder der Tokenisierung von Urls. Vielmehr ist es so, dass durch die Pseudonymität der Blockchains erschwert wird, eine Blockchainadresse einer Person zuzuordnen. Erstelle ich jetzt ein paar Tokens von Picasso-Bildern und behaupte, dass ich Picasso bin, ist das erst einmal so. In diesem Fall leicht widerlegbar, da der gute Mann bereits das Zeitliche gesegnet hat. Hier haben sich verschiedene Kunsthandelsplattformen aufgemacht, das Ganze so gut wie möglich zu unterbinden. Das klappt noch erstaunlich gut, allerdings ist die Gesamtgröße der Bubble ja auch noch recht überschaubar. Aber das wird definitiv noch zum Problem werden, vor allem auch, weil man eben nicht einfach von einer Blockchain löschen kann. Da gilt es natürlich, frühzeitig geeignete Methoden zu entwickeln.

„NFT, du Umweltsau!“ – das fasst ganz gut zusammen, wie NFTs aktuell in Sachen ökologischer Fußabdruck betrachtet werden. Zweifelsohne sind Blockchains, die mit der Proof of Work Methode funktionieren, brutale Energiefresser. Man hört immer wieder so Vergleiche wie „Coin X verbraucht so viel Strom wie Land Y“. Bei NFTs ist das noch schlimmer. Auf cryptoart.wtf kann man sich den Energiebedarf einzelner NFTs anzeigen lassen, die in der Regel sehr hoch sind. Das ist nicht gut, vor allem nicht in einer Welt, in der Strom noch zu Lasten der Umwelt produziert wird und für erheblichen CO2-Ausstoß sorgt. Das wissen auch die Blockchains und stellen entsprechend um. Von Proof of Work zu Proof of Stake. Das verringert den Energieverbrauch erheblich, bringt aber gleichzeitig auch noch andere Vorteile für die Chains selbst.

Währenddessen sieht es bei vielen professionellen Minern aber sowieso schon so aus, dass sie auf erneuerbare Energien zurückgreifen. Auch einige Künstler pflanzen für jedes erstellte NFT Bäume, es ist nicht so, dass dieser Aspekt der NFTs einfach außer Acht gelassen wird. Generell kann man aber wohl sagen: Frühe Entwicklungsphase, die ersten Autos sind auch nicht mit 5 Liter Super E10 gefahren – Pferde sind heute noch umweltfreundlicher.

Nein, es ist keine schöne, heile NFT-Welt, natürlich gibt es Probleme. Aber viel mehr gibt es auch Chancen. Die kann man am besten ergreifen, indem man die Probleme aktiv mit angeht, anstatt alles nur zu verteufeln. Jeder, der sich aktuell darüber beschwert, dass geistiges Eigentum durch so etwas missbraucht wird, verpasst die Chance für sein geistiges Eigentum entlohnt zu werden. Ja, es ist ein verrückter Space mit erschreckend großer finanzieller Kraft, aber es ist ein unglaublich freundlicher Space, vor allem für Künstler.

2 thoughts on “NFTs, geistiges Eigentum und CO2

  1. Mooooiiiiiin,
    2. Abschnitt 8. Zeile: „…so einfach ist DAS nicht…“ *

    9. Abschnitt 4. Zeile: „… die PROBLEME aktiv mit angeht…“ *

    hauste rein

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.